Schönheit durch die Spritze – Faltenfiller im Überblick

Eine glatte, faltenfreie Haut – ein jüngeres attraktiveres Aussehen - wer träumt nicht davon?

Die ästhetische Medizin verdankt dem Wunsch nach dem optimalen Aussehen einen beispiellosen Boom in den letzten Jahren. Die Gesichtsverschönerung durch Botulinumtoxin und Faltenfiller hat dazu einen wesentlichen Beitrag geleistet, da auch ohne Operation erstaunliches erreicht werden kann.
Neueste Statistiken der medizinischen Schönheitsbehandlungen aus Europa und den USA zeigen, dass kombinierte Faltenbehandlungen in den vergangenen Jahren extrem zugenommen haben und sogar den Trend zu Operationen übersteigen.
Der Markt der Anbieter von Faltenfillern hat sich als Folge in den letzten Jahren stetig erweitert, wobei uns heute eine große Auswahl zur Verfügung steht. Leider sind nicht alle Materialien die unter die Haut gebracht werden so harmlos wie die Medien uns glauben lassen.
Teilweise handelt es sich um Filler die mit einer großen Problematik behaftet sind und dauerhaft sein können.

Seit den sechziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts werden Gesichtsfalten nicht nur durch Operationen „weggestrafft“ sondern auch durch Unterspritzungen mit unterschiedlichen „Fillern“ aufgepolstert und dadurch geglättet. Zunächst wurde Silikon in seiner flüssigen Form dafür verwandt. Es ist an sich eigentlich ein äußerst körperverträgliches Material, das extrem selten Abstoßungsreaktionen hervorruft. Da es aber vom Körper eindeutig als eine fremde Substanz erkannt wird, findet in jedem Fall eine gewisse Abgrenzung statt, die sich in Form einer mehr oder weniger ausgeprägten „Abkapselung“ darstellt. Es entwickelt sich eine Bindegewebehülle um das Silikon, die sehr gering ausfallen sich aber auch als deutlich sichtbare und spürbare Verhärtung zeigen kann. Flüssiges Silikon hatte, wie sich später herausstellte die Eigenschaft, dass es nicht nur am Ort der ursprünglichen Platzierung verweilte, sondern der Mimik, der Schwerkraft und dem Lymphfluss folgend sich an andere Stellen verteilte, also „wanderte“. Die unglückliche Kombination aus Verkapselung und Veränderung der Lokalisation führte in vielen Fällen zu Komplikationen, die sich zum Teil oft erst einige Jahre später darstellten. Aus diesem Grund wurde die Unterspritzung von flüssigem Silikon zur Faltenbehandlung schon in den siebziger Jahren in Deutschland verboten.

Lange Jahre war Kollagen der Goldstandard zur Faltenunterspritzung, wobei die beiden Produkte ZYDERM® und ZYPLAST® eindeutige Marktführer waren. Es handelt sich um Kollagen, das aus Rinderhaut gewonnen wird. Es besteht daher ein gewisses Allergierisiko, weshalb vor der ersten Anwendung ein Allergietest durchzuführen ist. Da dem Kollagen ein Betäubungsmittel beigemischt ist, werden die Injektionen als nicht sehr schmerzhaft empfunden. Mit ZYDERM® und ZYPLAST® können sowohl feine Knitterfältchen und tiefe Nasolbialfalten korrigiert, als auch Lippen modelliert und betont werden. Nachteilig ist die sehr begrenzte Haltbarkeit, die teilweise weniger als vier Wochen und selten länger als drei bis vier Monate beträgt. Ein weiterer vielleicht noch schwerwiegender Nachteil sind Spätreaktionen, die sich in teilweise schmerzhaften Verhärtungen und Rötungen äußern und einige Jahre anhalten können.

Mit der Anwendung der Hyaluronsäure begann eine neue Ära in Sachen Faltenunterspritzung. Die schwedische Firma Qmed bot ab 1996 das Produkt RESTYLANE® an. Hierbei handelt es sich um synthetisch, d.h. durch bakterielle Fermentation hergestellte Hyaluronsäure. Hyaluronsäure ist ein Polysaccharid, das dem menschlichen Gewebe Stabilität und Form gibt. Es hat die besondere Eigenschaft, Wasser zu binden, was den Volumeneffekt bewirkt. Im molekularen Maßstab handelt es sich um Ketten aneinandergereihter Moleküle. In unvernetzter Form stellen diese Ketten eine sehr dünnflüssige Lösung dar, die auch schnell wieder abgebaut wird. Werden die Ketten allerdings durch Molekülbrücken mit einander verbunden, d.h. „vernetzt“, entstehen festere Strukturen, die über eine längere Bestandsdauer verfügen. Später wurden weitere Hyaluronsäure Produkte entwickelt, die sich in ihrem Vernetzungsgrad und der Partikelgröße unterscheiden. So gelang es, für sehr unterschiedliche Anwendungen geeignete Filler zur Verfügung zu stellen. Großflächige Auffrischungen der Gesichtshaut erfolgt mit unvernetzter Hyaluronsäure, die oberflächlich angewandt wird. Feine Knitterfältchen lassen sich mit dünnflüssiger vernetzter Hyaluronsäure kleiner Partikelgröße ausgleichen. Tiefere Falten werden mit stärker vernetzter Hyaluronsäure behandelt, wobei unterschiedliche Partikelgrößen zur Verfügung stehen, um auch eine noch längere Haltbarkeit zu ermöglichen. Für den Aufbau von Wangen- und Kinnprofil stehen Präparate mit sehr großer Partikelgröße zur Verfügung, die aus der Tiefe das Gesichtsprofil aufpolstern und modellieren. Zur Lippenkonturierung wird eine spezielle Hyaluronsäure angeboten, bei der die einzelnen Partikel abgerundet sind und damit sich besser den Wölbungen der Lippe anpassen sollen.
Seit Einführung von RESTYLANE® haben einige weitere Hersteller den Markt der Hyaluronsäure Filler betreten und bieten eine ähnliche Produktpaletten an. Neben den synthetisch hergestellten Hyaluronsäuren werden auch Produkte tierischer Herkunft (Hahnenkamm) angeboten. Die Entscheidung für eine bestimmte Behandlungsmethode oder auch für ein bestimmtes Produkt wird dadurch erschwert, daß alle Anbieter ein „optimales“ Ergebnis versprechen.
Bei den etablierten Produkten kann ganz allgemein davon ausgegangen werden, dass die Haltbarkeit deutlich länger als nach Kollagen – Unterspritzungen ist und etwa zwischen 6 und 18 Monaten betragen kann. Daneben ist das Allergie Risiko erheblich kleiner, weshalb in der Regel auf einen Allergietest verzichtet werden kann. Die Behandlungen sind schmerzhafter als Kollagen Unterspritzungen, da dem Filler kein Anästhetikum beigemischt ist. Daher erfolgen die Behandlungen in der Regel unter Anwendung einer Betäubungscreme oder einer Injektionsanästhesie. Die meisten reinen Hyaluronsäure Präparate haben den großen Vorteil, dass bleibende Komplikationen oder Schäden fast nicht möglich sind, da das implantierte Material spätestens nach etwa zwei Jahren wieder vollständig abgebaut wird. Die Vergänglichkeit des Behandlungsresultates wird aber auch als Nachteil empfunden.

Aus diesem Grund wurden in den vergangenen Jahren nicht nur die bestehenden Hyaluronsäureformeln überarbeitet sondern es wurden neue Wirkstoffe und Wirkstoffkombinationen entwickelt, die eine deutlich längere oder gar permanente Haltbarkeit versprechen sollten. Dazu wurden z.B. Polymethylmethacrylat („Plexiglass“) - Kügelchen eingearbeitet, was eine dauerhafte Haltbarkeit verspricht. Bei diesen Kombinationspräparate aus resorbierbaren und permanenten Bestandteilen besteht auch nach der Resorption des Trägermaterials (anfänglich Kollagen, später auch Hyaluronsäure) dank der Acrylate ein bleibender Volumeneffekt. Werden diese Substanzen allerdings zu oberflächlich oder an der falschen Stelle platziert, können störende Konturenebenheiten entstehen und – permanent – bleiben. Um die Implantate können sich Bindegewebskapseln entwickeln, die als Knotenbildung in Erscheinung treten oder als Entzündungen dauerhaft Probleme bereiten. Die Entfernung der Kunststoffpartikel gestaltet sich als extrem schwierig und ist oftmals gar nicht oder nur durch chirurgische Maßnahmen und damit resultierenden Narben möglich. Klangvolle und viel versprechende Namen täuschen oftmals über den wahren Gehalt dieser Substanzen hinweg. Besonders problematisch kann sein, wenn diese Mittel von unerfahrenen Ärzten angewandt werden und ihre Patienten nicht entsprechend aufklären.

Resorbierbare synthetische Polymilchsäure werden untern dem Markennamen SCULPTRA® zur Faltenunterspritzung und Volumenvermehrung angeboten. Im Vergleich zur Hyaluronsäure besteht eine längere Haltbarkeit von etwa 2 Jahren, was als vorteilhaft gewertet werden kann. Dagegen scheinen sehr viel häufiger Bindegewebsreaktionen, sogenannte Granulome, aufzutreten, die als störende Knotenbildungen oder sogar als entzündliche Prozesse in Erscheinung treten können. Offensichtlich erfordert die sichere Anwendung der Polymilchsäure ein großes Maß an Erfahrung und Kompetenz vom Behandler.

Körpereigene Substanzen wie Eigenfett bietet sich vor allem bei der Volumenvermehrung größerer Bereiche an den Wangen oder über den Gesichtskonturen an. Das Risiko einer Allergie entfällt, dafür handelt es sich um einen operativen Eingriff, der mit deutlichen Schwellungen, Verfärbungen, einem gewissen Infektionsrisiko und höheren Kosten verbunden ist. In welchem Ausmaß das eingebrachte Fett wieder resorbiert wird oder zu einer zufriedenstellenden Konturverbesserung beiträgt, hängt sehr von den Fertigkeiten des Behandlers ab, weshalb die Qualität der Behandlungsergebnisse sehr unterschiedlich sein kann.

Blutplasma, d.h. die zellulären Bestandteile des eigenen Blutes, können nach Unterspritzung im Gesicht zu einer gewissen Volumenvermehrung führen. Dies ist allerdings mit auffälligen und anhaltenden Verfärbungen verbunden. Da auch der erzielte Effekt schwer steuerbar und seine Haltbarkeit begrenzt ist, wird dieses Verfahren selten angewandt.

Körpereigenes, künstlich gezüchtetes Gewebe wird in Zukunft möglicherweise der goldene Standard werden. Die Molekulargenetik macht riesige Fortschritte in der Medizin und wird es vielleicht auch auf diesem Gebiet ermöglichen, Material in beliebiger Menge und mit idealen Eigenschaften zur Verfügung zu stellen. Die Aufbereitungskosten sind allerdings im Moment noch so hoch, dass dieses Verfahren zur Zeit noch nicht konkurrenzfähig ist.

Bei der Bewertung der unterschiedlichen Filler spielen die folgenden Kriterien eine wesentliche Rolle:

  • Geringes Allergie – und Infektionsrisiko
  • Unkomplizierte Anwendung
  • Geringe Gefahr von ästhetischen Komplikationen
  • Wiederentfernbarkeit des Fillers
  • Möglichst lange Haltbarkeit
  • Möglichst niedrige Kosten

Bislang gibt es keinen Filler, der alle diese Eigenschaften erfüllt.